Warum werden manche Cannabispflanzen lila?
Die violette oder purpurne Färbung entsteht durch natürliche Pflanzenfarbstoffe, sogenannte Anthocyane. Diese Pigmente kommen auch in vielen anderen Pflanzen vor, zum Beispiel in Heidelbeeren, Rotkohl oder roten Weintrauben.
Normalerweise werden diese Farbstoffe vom grünen Chlorophyll überdeckt. Gegen Ende der Blüte verändert sich die Pigmentzusammensetzung der Pflanze und die Anthocyane werden sichtbarer. Deshalb zeigt sich die intensive Färbung meist erst in den letzten Wochen vor der Reife.
1. Die Genetik entscheidet alles
Der wichtigste Faktor für eine starke Purple Färbung ist die Genetik.
Besitzt eine Sorte nur wenig genetisches Potenzial zur Ausbildung von Anthocyanen, lässt sich die Farbe kaum beeinflussen. Selbst perfekte Umweltbedingungen führen dann meist nicht zu einer intensiven violetten Färbung.
Sorten mit einer entsprechenden Veranlagung können dagegen schon unter normalen Bedingungen violette oder purpurne Farbtöne entwickeln.
Kurz gesagt:
• Gute Purple Genetik = hohe Chance auf kräftige Farben
• Wenig Purple Genetik = meist grüne Pflanzen
Die Genetik bildet deshalb die Grundlage für alles Weitere.
2. Kühle Nächte können die Färbung fördern
Der wichtigste äußere Einflussfaktor auf die Purple Färbung ist die Temperatur.
Viele genetisch geeignete Pflanzen entwickeln stärkere Farbtöne, wenn die Nächte deutlich kühler sind als die Tage. Besonders gegen Ende der Blüte kann dieser Unterschied dazu beitragen, dass Anthocyane stärker sichtbar werden.
Entscheidend ist dabei nicht extreme Kälte, sondern ein moderater Unterschied zwischen Tag und Nacht.
Zu niedrige Temperaturen können der Pflanze jedoch schaden. Wird es dauerhaft zu kalt, verlangsamt sich der Stoffwechsel und Wachstum sowie Entwicklung können darunter leiden.
Kühle Nächte gelten deshalb als der zuverlässigste Umweltfaktor für eine intensivere Färbung, allerdings nur bei entsprechend geeigneter Genetik.
3. Die Nährstoffversorgung spielt ebenfalls eine Rolle
Auch die Ernährung der Pflanze beeinflusst, wie stark Farben später sichtbar werden.
Stickstoff
Stickstoff fördert die Bildung und den Erhalt von Chlorophyll. Eine sehr hohe Stickstoffversorgung kann deshalb dazu beitragen, dass Pflanzen länger kräftig grün bleiben.
Gegen Ende der Blüte wird häufig etwas weniger Stickstoff eingesetzt. Dadurch kann die grüne Farbe mit der Zeit weniger dominant wirken.
Wichtig ist jedoch, keinen starken Mangel zu erzeugen. Eine gesunde Pflanze entwickelt sich fast immer besser als eine gestresste Pflanze.
Phosphor und Kalium
Diese Nährstoffe unterstützen wichtige Prozesse während der Blüte und helfen der Pflanze dabei, gesund und vital zu bleiben.
Entscheidend ist nicht ein extremer Überschuss einzelner Nährstoffe, sondern eine ausgewogene Versorgung.
4. Licht und Anthocyane
Licht beeinflusst zahlreiche Schutzmechanismen innerhalb der Pflanze.
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde gezeigt, dass UV Strahlung bei verschiedenen Pflanzenarten die Bildung von Anthocyanen fördern kann. Auch bei Cannabis wird dieser Zusammenhang diskutiert.
Der Einfluss von UV Licht auf die spätere Purple Färbung gilt jedoch als deutlich weniger wichtig als Genetik oder Temperatur. Wer violette Blüten sehen möchte, sollte deshalb nicht erwarten, dass UV Licht allein für eine starke Verfärbung sorgt.
5. Häufig überschätzte Faktoren
Der pH Wert
Immer wieder wird behauptet, dass sich die Purple Färbung über den pH Wert des Substrats steuern lässt.
Tatsächlich wird die Farbe hauptsächlich durch Prozesse innerhalb der Pflanzenzellen bestimmt. Der pH Wert im Wurzelbereich hat darauf nur einen begrenzten Einfluss.
Deutlich wichtiger ist es, den pH Wert im optimalen Bereich zu halten, damit die Pflanze ihre Nährstoffe effizient aufnehmen kann.
Spülen mit klarem Wasser
Das sogenannte Flushing wird oft mit einer stärkeren Purple Färbung in Verbindung gebracht.
Für einen direkten Einfluss auf die Farbe gibt es jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Falls überhaupt ein Effekt entsteht, dann eher indirekt durch eine geringere Verfügbarkeit von Stickstoff.
Der eigentliche Zweck des Flushing wird unabhängig von der Purple Färbung diskutiert und bleibt unter Anbauern bis heute umstritten.
6. Gesunde Pflanzen entwickeln die schönsten Farben
Leichter Umweltstress kann bei Pflanzen bestimmte Schutzreaktionen auslösen.
Zu viel Stress wirkt jedoch meist genau gegenteilig.
Schädlinge, Pilzbefall, starke Temperaturschwankungen oder ausgeprägte Nährstoffmängel schwächen die Pflanze und können sowohl die Entwicklung als auch die Farbintensität negativ beeinflussen.
Gesunde Pflanzen mit stabilen Bedingungen zeigen in der Regel die schönsten und gleichmäßigsten Farben.
Verbreitete Methoden und ihre tatsächliche Wirkung
Kühle Nächte
Dies gilt als die wirksamste und am besten belegte Methode, um die Sichtbarkeit von Anthocyanen bei geeigneter Genetik zu fördern.
Die Wirkung ist deutlich nachvollziehbarer als bei vielen anderen Purple Tricks.
Etwas weniger Stickstoff gegen Ende
Eine nicht übertriebene Reduzierung des Stickstoffs kann dazu beitragen, dass die grüne Farbe weniger dominant bleibt.
Dieser Effekt ist plausibel, sollte aber immer mit einer insgesamt gesunden Nährstoffversorgung kombiniert werden.
UV Licht
UV Licht kann möglicherweise einen gewissen Beitrag zur Anthocyan Bildung leisten.
Der Effekt fällt jedoch meist deutlich geringer aus als häufig behauptet und ersetzt keine geeignete Genetik.
Verlängerte Dunkelphasen
Manche Anbauer berichten von optischen Veränderungen durch längere Dunkelphasen kurz vor der Ernte.
Für einen starken oder verlässlichen Einfluss auf die Purple Färbung gibt es bisher jedoch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege.
Eiswürfel und Eiswasser
Diese Methoden werden immer wieder empfohlen, basieren jedoch hauptsächlich auf Erfahrungsberichten.
Ein klarer Vorteil gegenüber allgemein kühleren Temperaturen ist nicht belegt. Gleichzeitig kann unnötiger Stress für die Wurzeln entstehen.
Aus diesem Grund gelten Eiswürfel und Eiswasser eher als Mythos als als bewährte Methode.
Unterm Strich
Wenn eine Cannabispflanze intensiv violett werden soll, ist die Genetik der entscheidende Faktor. Ohne die entsprechende Veranlagung lässt sich die Farbe kaum beeinflussen.
Unter den Umweltfaktoren gelten kühlere Nächte als der wichtigste und am besten belegte Einfluss. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung und eine gesunde Pflanze unterstützen die natürliche Entwicklung zusätzlich.
UV Licht, verlängerte Dunkelphasen oder andere Tricks können in Einzelfällen einen gewissen Einfluss haben, erreichen jedoch meist nicht annähernd die Wirkung von Genetik und Temperatur.
Die stärkste Färbung zeigt sich bei vielen Pflanzen erst in den letzten Wochen vor der Reife. Geduld ist deshalb oft wichtiger als jede vermeintliche Geheimtechnik.