@orlovskyconsulting
Da muss man ein bisschen vorsichtig sein, weil einige Aussagen sehr allgemein gehalten sind und so schnell falsch verstanden werden können 
„Weniger ist mehr“ stimmt beim Growen grundsätzlich oft, aber bei Erde und Dünger kommt es stark darauf an, was genau verwendet wird.
Bioerde bedeutet zum Beispiel nicht automatisch, dass nie gedüngt werden muss. Es gibt schwach vorgedüngte Bioerden, stark vorgedüngte Bioerden, Living Soil usw. Das sind komplett unterschiedliche Ausgangslagen. Eine gute Bioerde kann eine Pflanze eine Zeit lang versorgen, aber je nach Topfgröße, Pflanzengröße, Sorte und Dauer des Grows kann trotzdem irgendwann nachgedüngt werden müssen.
Auch Komposterde oder Blumenerde pauschal als „da lohnt sich Dünger“ einzuordnen, ist schwierig. Gerade normale Blumenerde ist oft bereits stark vorgedüngt und für Keimlinge oder junge Pflanzen teilweise sogar zu scharf. Da direkt zusätzlich Dünger reinzugeben, kann schnell mehr Probleme verursachen als lösen.
Bei Erde unbekannter Herkunft wäre ich persönlich sogar eher vorsichtig. Sieben entfernt zwar grobe Teile, Steine oder sichtbare Fremdkörper, aber keine versteckten Schädlingseier, Pilzsporen, falschen pH-Wert, Salzbelastung oder sonstige Probleme im Substrat. Einfach mit Enzymen behandeln macht daraus nicht automatisch eine gute oder sichere Growerde.
Perlit kann sinnvoll sein, weil es die Erde luftiger macht und die Drainage verbessert. Aber auch hier gilt: nicht jede Erde braucht automatisch zusätzlich Perlit. Viele Growerden enthalten bereits genug davon. Zu viel Perlit kann außerdem die Wasserhaltefähigkeit verändern.
Beim Dünger würde ich es einfacher halten:
Nicht wild nach Erdtyp pauschal düngen, sondern nach Pflanze, Erde, Topfgröße und Zustand gehen. Eine Pflanze zeigt meistens recht gut, ob sie Hunger hat oder ob sie überversorgt ist.
Gerade für Anfänger ist meiner Meinung nach am sichersten:
eine vernünftige Growerde nehmen, erstmal nicht düngen, die Pflanze beobachten und dann mit einem einfachen Düngeschema arbeiten, sobald es wirklich nötig wird.
Das Wichtigste ist nicht „möglichst viel behandeln“, sondern ein stabiles Substrat, sauberes Gießverhalten und keine unnötige Produktmischerei 